Legende verloren – Die Anfänge von 30 Jahren Fußballbundesliga (powered by FRÜF)

Pionierinnen

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Es gibt Menschen, die haben in ihrem Leben so viel auf die Beine gestellt, dass es bei jedem anderen für 10 reichen würden. Margret Kratz (1990 VfR Saarbrücken) und Monika Staab (1990 SG Praunheim) sind solche. Von den Anfängen der Bundesliga in Deutschland, über die Tätigkeit als Trainerinnen und Entwicklungshelferinnen bis hin zu Technical Observer bei der Fifa war es bei beiden ein spannender Weg.

Shownotes

Moderation

  • Franzi

Margret Kratz

Margret Kratz spielte zunächst beim SV Weiskirchen (Teilnahme am Meisterschaftsplayoff 1981; DFB-Pokal-Teilnahme 81/82), wechselte dann zum 1.FC Kaiserslautern. Dort wurde sie Nationalspielerin (zwei Länderspiele bei der Quali zur EM 1987) und erreichte 83/84 das Viertelfinale des DFB-Pokals. 1990 wechselte sie zum VfR Saarbrücken um in der Bundesliga-Süd zu spielen. Am 02.09.1990 erzielte sie das erste Tor des Vereins in der Bundesliga – auswärts beim FC Bayern München. Das Spiel endete 1:1.

Gleichzeitig war sie ab 1990 bis 1995 auch Co-Trainerin. 1992 machte sie dafür als zweite Frau, nach Tina Theune, die Fußballlehrerinnenlizenz. Nach der aktiven Karriere wurde sie 1995 Cheftrainerin des VfR Saarbrücken, bzw. ab 1997 des 1. FC Saarbrücken. Sie blieb bis 2000 beim 1.FC Saarbrücken und konnte den Verein in der Bundesliga halten. Gleichzeitig ist sie seit 1997 Verbandstrainerin des Saarländischen Fußballverbands. Dort leitet sie die Eliteschule Mädchen- und Frauenfußball, bildet Trainer*innen aus (Männer und Frauen, bis zur B-Lizenz. Sie ist die erste Frau, die in Deutschland Männer bis zur B-Lizenz ausbildete) und ist zuständig für die Talentförderung bis zur U18.

Margret Kratz und Josephine Henning
Margret Kratz und Josephine Henning

Neben ihrer Arbeit im Saarland arbeitet sie regelmäßig für den DFB, DOSB Deutscher olympischer Sportbund, die UEFA und FIFA, um den Sport international voran zu bringen. Für den DFB war sie Co-Trainerin der U23 und U16 Nationalmannschaft. Für den DOSB war sie als Entwicklungshelferin in Bolivien und Namibia – dort auch als Nationaltrainerin, um das Team auf die erste Teilnahme am Afrikacup (in Nambia 2014) vorzubereiten. Für die FIFA war sie Teil des Orga-Teams für die U20 WM in Kanada 2014, die WM in Kanada 2015 und die U17 WM in Jordanien 2016. Für die UEFA arbeitete sie in einem Trainerinnenausbildungszentrum in Ungarn 2018/19.

Monika Staab

Monika Staab spielte zwischen 1970 und 1978 bei der SG Rosenhöhe Offenbach, den Kickers Offenbach und bei NSG Oberst Schiel, mit dem sie 1977 das Finale um die deutsche Meisterschaft knapp gegen Bergisch Gladbach verlor. 1987 ging sie beruflich nach England und schloss sich den Queen’s Park Rangers an. 1980 zog Sie erneut um – nach Paris – und schloss sich der PSG an. 1982 kehrte sie nach England zurück und spielte für Southampton WFC. Sie gilt als eine der ersten deutschen Fußballerinnen die im Ausland spielten. 1984 kehrte sie zurück nach Deutschland und spielte bis 1992 bei der SG Praunheim.

Monika Staab in der Hinrunde der 1. Bundesliga Saison
Monika Staab in der Hinrunde der 1. Bundesliga Saison

1993 wurde sie dann Trainerin in Praunheim. 1999 war sie Mitgründerin des 1.FFC Frankfurt und Vorsitzende des Vereins. Als Trainerin gewann sie 4 Mal die deutsche Meisterschaft (99, 2001, 2002, 2003) und 5 Mal den DFB-Pokal (99, 2000, 2001, 2002, 2003). 2002 gewann sie mit Frankfurt auch den UEFA Pokal (heute CL), als er das erste Mal ausgespielt wurde. In der Gruppenphase musste man nach Armenien und gewann 18:0 gegen den College Sports Club. Das Finale gewann man in Frankfurt gegen Umea aus Schweden mit 2:0. In den beiden Folgejahren schied man im Halbfinale bzw. Finale gegen Umea aus.

FFC Girlscamp
FFC Girlscamp

Nach ihrer Trainerinnenlaufbahn bis 2004 blieb sie noch zwei Jahre Präsidentin und trat 2006 zurück. Seitdem ist sie für FIFA, UEFA, DFB, DOSB, Auswärtiges Amt und verschiedene NGOs als Entwicklungshelferin in aller Welt unterwegs. Sie war in etwa 80 Ländern unterwegs, unter anderem: Pakistan, Iran, Gambia, Bahrain, Katar, Nordkorea, Usbekistan. Für die FIFA reiste sie in alle arabischen Länder, um dort Frauenfußball zu promoten.

Trainerinnenkurs in Laos 2010
Trainerinnenkurs in Laos 2010

Zu den Vereinen

Margret Kratz spielte 1990 beim VfR Saarbrücken in der Bundesliga-Süd. Der VfR Saarbrücken spielte 1982 zum ersten Mal in der Endrunde um die Meisterschaft mit und verlor im Viertelfinale gegen Klinge Seckach. 1983 schied man in der ersten Runde gegen TeBe Berlin aus, 1985 im Halbfinale und 1986 im Viertelfinale gegen den FC Bayern München, 1987 in der ersten Runde gegen den KBC Duisburg, 1988 im Viertelfinale gegen Fortuna Sachsenroß Hannover, 1989 im Halbfinale gegen Bergisch Gladbach und schließlich 1990 im Viertelfinale gegen den FC Bayern München. 1990 wurde man als Saarländischer Meister Gründungsmitglied der Bundesliga und wurde in den ersten drei Saisons immer dritter der Südstaffel hinter dem FSV Frankfurt und Niederkirchen – und verpasste so jeweils knapp die Finalrunde.

In den Folgejahren ging es in der Tabelle langsam nach unten (Platz 4, Platz 7, Platz 7), aber man konnte die Klasse halten. In der letzten zweigleisigen Saison 1996/97 belegte man den wichtigen vierten Platz und qualifizierte sich so direkt für die neue eingleisige Bundesliga.

Vor der eingleisigen Bundesliga schloss sich die Frauenabteilung des VfR geschlossen dem Lokalrivalen 1.FC Saarbrücken an. Als solcher etablierte man sich in der Bundesliga und konnte 5 Jahre erstklassig spielen. 2002 kam der erste Abstieg, gefolgt vom direkten Wiederaufstieg. Bis 2011 stiegen die Saarbrückerinnen so immer wieder auf und ab.

Seit der Saison 2011/2012 ist man zweitklassig. Immer mal wieder schnuppert man am Aufstieg (2014, 2015, 2016, 2018), bleibt aber bisher konstant in der zweiten Bundesliga. Durch die Corona-bedingte Teilung spielt Saarbrücken kommende Saison in der Südstaffel der nun geteilten zweiten Bundesliga.

Monika Staab spielte 1990 bei der SG Praunheim. Die SG Praunheim startete 1971 als „Werksteam“ der Deutschen Bundesbank. Da man nach NSG Oberst Schiel und dem FSV Frankfurt schon in Frankfurt nur die Nummer 3 war, qualifizierte sich die SGP nie für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Für Hessen traten stattdessen Battenburg, die Kickers Offenbach und eben Schiel und der FSV an. Trotzdem qualifizierte sich die SGP für die erste BL-Saison 1990 und wurde am Ende 5ter. 1993/94 wurde die bisherige Kapitänin Monika Staab Trainerin und der Eiskunstlauf-Promoter Siegfried Dietrich wurde Manager. Man verpasste daraufhin nur um einen Punkt Platz 2 und damit den Einzug ins Meisterschaftshalbfinale. Auch 94/95 wurde man Dritter.

1995/1996 wurde man hinter Double-Sieger FSV Frankfurt endlich Zweiter, schlug im Halbfinale Brauweiler und musste sich nur dem TSV Siegen im Meisterschaftsfinale geschlagen geben. In der letzten zweigleisigen Saison wurde man wieder Zweiter und verlor im Halbfinale gegen den späteren Meister Brauweiler. So qualifizierte man sich auch für die eingleisige Bundesliga 97/98. 1997 und 1998 gewann Praunheim dann seine einzigen Titel – den DFB-Hallenpokal. Beide Male schlug man den FSV Frankfurt im Finale. Vor der Saison 1998/99 konnte man dann Birgit Prinz verpflichten und gründete mit dem 1.FFC Frankfurt einen reinen Frauenfußballverein. Man wurde auf Anhieb mit nur einer Niederlage Meister, gewann den Hallenpokal und den DFB-Pokal.

Der 1. FFC gehörte zu den absoluten Spitzenteams und hatte schließlich in der Saison 2001/2002 die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte: Man gewann die Meisterschaft, den DFB Pokal und die erste Ausgabe der Champions League und holte so als erste Mannschaft das europäische Triple. Die bitterste Saison folgte 2003/2004. Man wurde Zweiter in der Liga, dem DFB-Pokal und der Champions League – so dass Monika Staab nach dem Vize-Triple zurücktrat. 2006, 2008 und 2015 gewann man erneut die Champions League und ist damit bis heute, nach Lyon, die Zweiterfolgreichste Mannschaft aller Zeiten. Spätestens nach 2015 hielt sich der 1.FFC meist im Mittelfeld der Liga auf und schloss sich nun 2020 der Eintracht an, um künftig wieder oben anzugreifen.

Der 1.FFC hatte traditionell eine intensive Rivalität mit dem FSV. Während der FSV 9 von 11 Spielen gegen die SG Praunheim gewann, dreht sich das Blatt nach der Umbenennung und der 1.FFC gewann 18 von 20 Spielen gegen den FSV. 1990 verlor die SGP mit 0:6 gegen den FSV - im bis heute letzten Derby gewann der 1.FFC 17:0. An der Spitze des deutschen Fußballs war jahrelang Turbine Potsdam der Erzrivale der Frankfurterinnen. Die Bilanz ist bis heute fast komplett ausgeglichen (18-7-16 für Frankfurt).

(Hinweis: Aufgenommen wurde die Folge am 10.09.2020. Bilder wurden uns von Monika und Margret zur Verfügung gestellt.)


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